Nr. 717 Verordnung zum Schutz der Hecken, Feldgehölze und Uferbestockungen vom 19. Dezember 1989* (Stand 1. Januar 2008) Der Regierungsrat des Kantons Luzern, gestützt auf § 23 Absatz 1 des Gesetzes über den Natur- und Landschaftsschutz vom 18. September 1990 1 und § 10 Absatz 4 des Wasserbaugesetzes vom 30. Januar 19792,3 auf Antrag des Justizdepartementes, beschliesst:
I. Allgemeine Bestimmungen § 1
4
Zweck
Die Verordnung bezweckt den Schutz und die Pflege der Hecken, Feldgehölze und Uferbestockungen als Lebensräume von Pflanzen und Tieren und als Naturobjekte, welche die Landschaft prägen, den Boden vor Wind und Erosion schützen und die Uferböschungen sichern.
Geltungsbereich 1 Die Verordnung gilt im ganzen Kanton.
2 In Gemeinden, die den Schutz der Hecken, Feldgehölze und Uferbestockungen selber geregelt haben, ist die Verordnung soweit anzuwenden, als sie einen weitergehenden * G 1990 262. Fassung des Titels gemäss Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
1 SRL Nr. 709a. Auf dieses Gesetz wird im Folgenden nicht mehr hingewiesen.
2 SRL Nr. 760. Auf dieses Gesetz wird im Folgenden nicht mehr hingewiesen.
3 Fassung des Ingresses gemäss Änderung vom 23. März 2004, in Kraft seit dem 1. April 2004 (G 2004 176).
4 Fassung gemäss Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
2
Nr. 717
Schutz bietet. Das gilt auch mit Bezug auf die Vorschriften über das Verfahren um Ausnahmebewilligungen.
5
3 Die Verordnung ist nicht anzuwenden a. auf Wald im Sinn des Bundesgesetzes über den Wald 6,7
b. auf Parkanlagen sowie auf Lebhäge, die als Einfriedungen von Liegenschaften und Anlagen dienen.
Schutz der Hecken, Feldgehölze und Uferbestockungen 8,9
1 Hecken, Feldgehölze und Uferbestockungen sind geschützt.10 2 Ihre vorübergehende oder dauernde Beseitigung ist untersagt, insbesondere11 a. die Rodung, das Ausstocken oder das Abbrennen, b. das Fällen oder Beseitigen von einzelnen Bäumen in Hecken, Feldgehölzen und Uferbestockungen von mehr als 80 cm Stammumfang, gemessen in 1 m Höhe über dem gewachsenen Boden.
12
3 Vorbehalten bleiben die Erteilung von Ausnahmebewilligungen gemäss § 4 und die Nutzungs- und Pflegemassnahmen gemäss § 5.
Ausnahmebewilligung 1 Eine Ausnahmebewilligung wird erteilt, wenn a. die privaten Interessen des Gesuchstellers an der ganzen oder teilweisen Beseitigung von Hecken, Feldgehölzen und Uferbestockungen das öffentliche Interesse an deren Erhaltung überwiegen oder 13
b. überwiegende andere öffentliche Interessen die Beseitigung erfordern.
2 Wird eine Ausnahmebewilligung erteilt, kann vom Gesuchsteller eine Ersatzanpflanzung verlangt werden.
3 Die Ersatzanpflanzung eines Baumes ist unabhängig vom Stammumfang geschützt. § 3 Absätze 2b und 3 gilt sinngemäss.
14
5 Fassung gemäss Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
6 SR 921.0
7 Fassung gemäss Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
8 Gemäss Anhang 4.3 und 4.5 der Verordnung des Bundesrates über umweltgefährdende Stoffe (Stoffverordnung) vom 9. Juni 1986 in der Fassung vom 16. September 1992 (SR 814.013) dürfen Pflanzenbehandlungsmittel, Dünger und diesen gleichgestellte Erzeugnisse in Hecken und Feldgehölzen (inkl. Uferbestockungen) nicht verwendet werden. Das Verbot gilt auch für einen Streifen von drei Metern Breite entlang von Hecken, Feldgehölzen und oberirdischen Gewässern.
9 Fassung gemäss Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
10 Fassung gemäss Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
11 Fassung gemäss Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
12 Fassung gemäss Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
13 Fassung gemäss Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
14 Eingefügt durch Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
Nr. 717
3
§ 5
15
Nutzung und Pflege 1 Zur Förderung der Vielfalt von Pflanzen und Tieren in Hecken, Feldgehölzen und Uferbestockungen ist die dem Schutzzweck entsprechende Nutzung und Pflege, insbesondere das periodische Auslichten, gestattet.
2 Bei Uferbestockungen ist überdies § 10 Absatz 2 des Wasserbaugesetzes zu berücksichtigen.
3 Ein Abschnitt einer Hecke, eines Feldgehölzes oder einer Uferbestockung darf höchstens alle drei Jahre auf den Stock gesetzt werden. Der auf den Stock gesetzte Abschnitt darf einen Drittel des Gesamtbestandes nicht überschreiten, bei Uferbestockungen höchstens aber 200 m lang sein.
4 Die Bestimmungen sind nicht anzuwenden auf Bäume im Sinn von § 3 Absatz 2b, die sich in Hecken, Feldgehölzen oder Uferbestockungen befinden.
§ 6
16
II. Bewilligungsverfahren § 7
17
Gesuch
Das Gesuch um eine Ausnahmebewilligung ist schriftlich und begründet bei der Gemeinde einzureichen. Das Schutzobjekt, auf welches sich das Gesuch bezieht, ist genau zu bezeichnen.
Bewilligungsbehörde 1 Über das Gesuch entscheidet a. die Dienststelle Umwelt und Energie 18, wenn sich das geschützte Objekt in einem Gebiet befindet, für das der Regierungsrat eine Schutzverordnung erlassen hat, 19
b. in den übrigen Fällen die Gemeinde 20.
2 Ist die Dienststelle Umwelt und Energie zuständig, leitet die Gemeinde das Gesuch mit ihrer Stellungnahme der Dienststelle weiter.
21
15 Fassung gemäss Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
16 Aufgehoben durch Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
17 Fassung gemäss Änderung vom 11. Dezember 2007, in Kraft seit dem 1. Januar 2008 (G 2007 445).
18 Gemäss Änderung vom 23. März 2004, in Kraft seit dem 1. April 2004 (G 2004 176), wurde in den §§ 8 und 9 die Bezeichnung «Amt für Natur- und Landschaftsschutz» durch «Dienststelle Umwelt und Energie» ersetzt.
19 Fassung gemäss Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
20 Fassung gemäss Änderung vom 11. Dezember 2007, in Kraft seit dem 1. Januar 2008 (G 2007 445).
21 Fassung gemäss Änderung vom 11. Dezember 2007, in Kraft seit dem 1. Januar 2008 (G 2007 445).
4
Nr. 717
§ 9
22
Mitteilung der Entscheide 1 Die Gemeinde teilt ihre Entscheide der Dienststelle Umwelt und Energie mit. Diese meldet ihre Entscheide der Gemeinde 23.
2 Entscheide, die Uferbestockungen betreffen, sind überdies der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur mitzuteilen.
24
§ 10
25
III. Schlussbestimmungen § 11
26
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands 1 Wer dieser Verordnung zuwiderhandelt, kann verpflichtet werden, die widerrechtlich getroffenen Massnahmen auf eigene Kosten rückgängig zu machen oder die Kosten zu übernehmen, die aus der Beseitigung des Schadens entstehen.
2 Anstelle des Verursachers kann auch der Grundeigentümer auf seine Kosten zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands verhalten werden, wenn er dem Verursacher das geschützte Objekt überlassen hat und nicht nachweist, dass er alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt angewendet hat, um einen Schaden dieser Art zu verhindern, oder dass der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt entstanden wäre.
3 Lässt sich keine verantwortliche Person feststellen und wird nicht der Grundeigentümer zur Wiederherstellung verhalten, sorgt die Gemeinde für die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands.
4 Die Wiederherstellungsmassnahmen sind vom Grundeigentümer und vom Bewirtschafter zu dulden.
§ 12
27
Strafbestimmungen 1 Wer vorsätzlich und ohne Berechtigung ein Schutzobjekt zerstört oder schwer beschädigt, wird gemäss § 53 Absatz 1 des Gesetzes über den Natur- und Landschaftsschutz mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. In leichten Fällen oder wenn der Täter fahrlässig handelt, ist die Strafe Busse bis 40 000 Franken.
28
22 Fassung gemäss Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
23 Fassung gemäss Änderung vom 11. Dezember 2007, in Kraft seit dem 1. Januar 2008 (G 2007 445).
24 Fassung gemäss Änderung vom 23. März 2004, in Kraft seit dem 1. April 2004 (G 2004 176).
25 Aufgehoben durch Änderung vom 23. März 2004, in Kraft seit dem 1. April 2004 (G 2004 176).
26 Fassung gemäss Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
27 Fassung gemäss Änderung vom 19. März 1993, in Kraft seit dem 1. April 1993 (G 1993 174).
28 Fassung gemäss Änderung vom 12. Dezember 2006, in Kraft seit dem 1. Januar 2007 (G 2006 451).
Nr. 717
5
2 Wer gegen die Verbote der §§ 3 Absatz 2, 4 Absatz 3 und 5 Absatz 3 verstösst, wird gemäss § 53 Absatz 2b des Gesetzes über den Natur- und Landschaftsschutz mit Busse bis 20 000 Franken, in leichten Fällen bis 5000 Franken, bestraft.
Aufhebung eines Erlasses Die Verordnung zum Schutz der Hecken und Feldgehölze vom 10. März 1987 29 wird
aufgehoben.
Inkrafttreten Diese Verordnung tritt am 1. Februar 1990 in Kraft. Sie ist zu veröffentlichen.
Luzern, 19. Dezember 1989 Im Namen des Regierungsrates Der Schultheiss: Bühler Der Staatsschreiber: Baumeler 29 G 1987 93 (SRL Nr. 717)
Document Outline
- I. Allgemeine Bestimmungen
- § 1 Zweck
- § 2 Geltungsbereich
- § 3 Schutz der Hecken, Feldgehölze und Uferbestockungen,
- § 4 Ausnahmebewilligung
- § 5 Nutzung und Pflege
- § 6
- II. Bewilligungsverfahren
- § 7 Gesuch
- § 8 Bewilligungsbehörde
- § 9 Mitteilung der Entscheide
- § 10
- III. Schlussbestimmungen
- § 11 Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
- § 12 Strafbestimmungen
- § 13 Aufhebung eines Erlasses
- § 14 Inkrafttreten